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Die Verwandlung

nach der Erzählung von Franz Kafka

"Odyssee im Weltraum"* oder: Gregor Samsa wacht auf

- - er hat unruhig geschlafen, seine Arme und Beine fühlen sich anders an, aus dem Bett kann er nicht mehr aufstehen, sein Körper hat sich verwandelt: er ist ein Käfer geworden, über Nacht. Er bleibt auf dem Rücken liegen. Seine Gedanken tragen ihn fort aus dem Zimmer, er denkt über sich nach: über sein Leben (wie geht's denn weiter?), über seinen Beruf. Er ist Reisender in Textilien. Er ist Alleinversorger der ganzen Familie. Er muss die Schulden des Vaters abarbeiten. Vater: einfache Natur, einfallslos aber angeberisch. Will aber was gelten. Das schafft er nicht. Wird faul und gefräßig. Mutter ist sehr krank. Muss zu Hause bleiben. Schwester ist zu jung für einen Beruf. Bekocht, bedient die Eltern und sorgt für ein sauberes Heim.

Die Familiy schreckt zurück: ist dieser Käfer noch ihr Gregor? Und wie kann ein Insekt den Unterhalt für eine ganze Familie sichern?

Man entzieht ihm Sympathie, Aufmerksamkeit. Er kann kaum noch essen, verträgt die menschlichen Speisen nicht mehr. Er verhungert. Die Schwester besorgt das Finale. Familie Samsa kann endlich ihren Sonntagsausflug machen.

Hundert Jahre nach dem Erscheinen von Kafkas Erzählung ist "Die Verwandlung" noch immer ein Phänomen, ein Rätsel, das einlädt, die Story stets neu zu entdecken, kreativ zu interpretieren. Stoff und Form passen in kein Raster, sind außergewöhnlich, für die Bühne eine prächtiges Risiko.

Der US-Schriftsteller Vladimir Nabokov schreibt über seinen Autorenkollegen Kafka: "Die Durchsichtigkeit seines Stils betont den dunklen Reichtum seiner phantastischen Welt".

* Irrfahrt mit unerhörten oder seltsamen Erlebnissen. 

 

Wenn ich ein Käfer wär' -
Kafka in der Katakombe.

Am Boden krümmt sich eine gefesselte Gestalt. Das allein mit einem Bett und einer Urne möblierte Zimmer ist abgeteilt durch weiße Tücher vom Rest der Wohnung. Von  hier aus ist Gregor Samsa einst erfolgreich ausgezogen zum Tuchwarenverkauf. Jetzt ist Gregor der Käfer eingesperrt in dieses Karree, beschwert mit einem unförmigen filzbezogenen Etwas und keinesfalls beflügelt von einer fabelhaften Insektenanatomie.

Es ist ein Traum, wie er wohl jeden Menschan mal plagt, doch diesmal gibt es kein  Erwachen. Dass das Leben weitergeht, klimpern die penetranten Klavierübungen von nebenan ins Bewusstsein. 

... In der als "Theatralische Vision" annoncierten Bearbeitung von Franz Kafkas "Die Verwandlung" in der Frankfurter Katakombe allerdings ist der falsche Körper gleich mit der Geburt gegeben. Die Hebamme legt den Käfer einer strahlenden Mutter ans Herz und der in bürgerlicher Sicherheit ruhenden Familie ins Nest. Ohne eigentliche Biographie rumort das Monstrum nun mit seinen nicht weniger unglücklichen Bezugspersonen um die Wette. Und das Drama eines durch Erwartungen und Drohungen bis in den tiefsten Schuldkomplex verborgenen Gemüts, wird eingebettet in ein  Kafka-Kaleidoskop voller Selbstzeugnisse, Zitate oder Fundsachen aus anderen Prosawerken.

Anleihen an das Revuemilieu, in dem Theater bewährt, schaffen mit dem Donauwalzer oder dem Zarathustra-Motiv Zeitkolorit und schlagen mit einem Grönemeyersong den Bogen zur Gegenwart. Sie machen bewusst, dass der Autor auch in seiner Zeit nicht in Strömung und Stimmung passte. Die Irritationen der vor 99 Jahren erschienenen Erzählung, sind in die Gegenwart gerettet . . . für ein  heutiges Publikum übersetzt?

Regisseur Marcel Schilb hat mehr als formale Ambitionen erkennen lassen. Dazu gibt er in einem Vorspiel ab an ein Gremium typischer Kafkaversteher, die das vielfach interpretierte und analysierte Werk ihrerseits befrachten. Und ablenken  von Kafkas noch spannenderen Phantasien.

FAZ vom 23.6.14

 

 

Wenn ich ein Käfer wär' -
Kafka in der Katakombe.

Am Boden krümmt sich eine gefesselte Gestalt. Das allein mit einem Bett und einer Urne möblierte Zimmer ist abgeteilt durch weiße Tücher vom Rest der Wohnung. Von  hier aus ist Gregor Samsa einst erfolgreich ausgezogen zum Tuchwarenverkauf. Jetzt ist Gregor der Käfer eingesperrt in dieses Karree, beschwert mit einem unförmigen filzbezogenen Etwas und keinesfalls beflügelt von einer fabelhaften Insektenanatomie.

Es ist ein Traum, wie er wohl jeden Menschan mal plagt, doch diesmal gibt es kein  Erwachen. Dass das Leben weitergeht, klimpern die penetranten Klavierübungen von nebenan ins Bewusstsein. 

In der als "Theatralische Vision" annoncierten Bearbeitung von Franz Kafkas "Die Verwandlung" in der Frankfurter Katakombe allerdings ist der falsche Körper gleich mit der Geburt gegeben. Die Hebamme legt den Käfer einer strahlenden Mutter ans Herz und der in bürgerlicher Sicherheit ruhenden Familie ins Nest. Ohne eigentliche Biographie rumort das Monstrum nun mit seinen nicht weniger unglücklichen Bezugspersonen um die Wette. Und das Drama eines durch Erwartungen und Drohungen bis in den tiefsten Schuldkomplex verborgenen Gemüts, wird eingebettet in ein  Kafka-Kaleidoskop voller Selbstzeugnisse, Zitate oder Fundsachen aus anderen Prosawerken.

Anleihen an das Revuemilieu, in dem Theater bewährt, schaffen mit dem Donauwalzer oder dem Zarathustra-Motiv Zeitkolorit und schlagen mit einem Grönemeyersong den Bogen zur Gegenwart. Sie machen bewusst, dass der Autor auch in seiner Zeit nicht in Strömung und Stimmung passte. Die Irritationen der vor 99 Jahren erschienenen Erzählung, sind in die Gegenwart gerettet . . . für ein  heutiges Publikum übersetzt?

Regisseur Marcel Schilb hat mehr als formale Ambitionen erkennen lassen. Dazu gibt er in einem Vorspiel ab an ein Gremium typischer Kafkaversteher, die das vielfach interpretierte und analysierte Werk ihrerseits befrachten. Und ablenken  von Kafkas noch spannenderen Phantasien.

FAZ vom 23.6.14