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Wenn ich ein Käfer wär' -
Kafka in der Katakombe.

Am Boden krümmt sich eine gefesselte Gestalt. Das allein mit einem Bett und einer Urne möblierte Zimmer ist abgeteilt durch weiße Tücher vom Rest der Wohnung. Von  hier aus ist Gregor Samsa einst erfolgreich ausgezogen zum Tuchwarenverkauf. Jetzt ist Gregor der Käfer eingesperrt in dieses Karree, beschwert mit einem unförmigen filzbezogenen Etwas und keinesfalls beflügelt von einer fabelhaften Insektenanatomie.

Es ist ein Traum, wie er wohl jeden Menschan mal plagt, doch diesmal gibt es kein  Erwachen. Dass das Leben weitergeht, klimpern die penetranten Klavierübungen von nebenan ins Bewusstsein. 

In der als "Theatralische Vision" annoncierten Bearbeitung von Franz Kafkas "Die Verwandlung" in der Frankfurter Katakombe allerdings ist der falsche Körper gleich mit der Geburt gegeben. Die Hebamme legt den Käfer einer strahlenden Mutter ans Herz und der in bürgerlicher Sicherheit ruhenden Familie ins Nest. Ohne eigentliche Biographie rumort das Monstrum nun mit seinen nicht weniger unglücklichen Bezugspersonen um die Wette. Und das Drama eines durch Erwartungen und Drohungen bis in den tiefsten Schuldkomplex verborgenen Gemüts, wird eingebettet in ein  Kafka-Kaleidoskop voller Selbstzeugnisse, Zitate oder Fundsachen aus anderen Prosawerken.

Anleihen an das Revuemilieu, in dem Theater bewährt, schaffen mit dem Donauwalzer oder dem Zarathustra-Motiv Zeitkolorit und schlagen mit einem Grönemeyersong den Bogen zur Gegenwart. Sie machen bewusst, dass der Autor auch in seiner Zeit nicht in Strömung und Stimmung passte. Die Irritationen der vor 99 Jahren erschienenen Erzählung, sind in die Gegenwart gerettet . . . für ein  heutiges Publikum übersetzt?

Regisseur Marcel Schilb hat mehr als formale Ambitionen erkennen lassen. Dazu gibt er in einem Vorspiel ab an ein Gremium typischer Kafkaversteher, die das vielfach interpretierte und analysierte Werk ihrerseits befrachten. Und ablenken  von Kafkas noch spannenderen Phantasien.

FAZ vom 23.6.14