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Die Dreigroschenoper

von Bertolt Brecht, Musik Kurt Weill

1928- Uraufführung:

"...Die Geschichte roch nach Theater!"

Die klare Landschaft Brechtscher Worte, die dünne Luft Brechtscher Diktion waren für die Schauspieler ungewohnt. Ein ungewöhnlicher Stil und eine ungewöhnliche Musik wirkten befremdend. Sie fanden nicht den vertrauten Boden des gewohnten Theaterstücks . . .
Eine erste Auseinandersetzung zwischen Erich Engel und Brecht betraf die Songs. Brecht wollte, dass sie so gesungen werden, als ob sie nicht zur Handlung gehörten. Die Bühne verdunkelte sich, vom Schnürboden pendelten vier altmodische Petroleumlampen herab . . . im Hintergrund wurde eine Orgalattrappe sichtbar . . . dieses Arrangement wollte Engel unter keinen Umständen akzeptieren. Da Brecht nicht bereit war, Konzessionen zu machen, schlug Engel vor, die Musik zu streichen.
Der Darsteller des Macheath, der Operettensänger Harald Paulsen, zeigte sich in einem schwarzen Maßanzug vom ersten Herrenschneider. Dieses Kostüm ergänzte er mit einer großen blauen Schleife in der Farbe seiner Augen. Von der Schleife wollte er sich nicht trennen, eher von der Rolle. Jetzt hatte Brecht einen Einfall: "Lassen wir ihn so süßlich und charmant. Weill und ich führen ihn durch eine Moritat ein." So entstand der populärste Song der Dreigroschenoper.
Viele Neugierige kamen zu den Proben. Allgemein war die Ansicht, dass das Spektakel nicht zu Ende gespielt würde, keineswegs die Premiere überdauern könnte.
Die Generalprobe dauerte bis sechs Uhr morgens. Wir setzten uns zusammen: das Stück war eine Dreiviertelstunde zu lang. Verschiedene Songs mussten gestrichen werden, vom Hauptbild des Peachum .- Erich Ponto fiel die Hälfte weg. Er kam mit zwei Handkoffern in mein Büro, wollte sich verabschieden und mit dem Mittagszug nach Dresden zurückfahren. Ich konnte ihn nur bitten dann packte er die Koffer wieder aus.
Und jetzt kam das Pferd, ein großer, galloppierender Apfelschimmel mit feurigen Nüstern. Auf dem sollte der reitende Bote der Königin von oben auf zwei Schienen auf die Bühne rutschen. Leider war der Winkel der Schienen falsch berechnet, und Bote und Ross wären im Zuschauerraum gelandet. Die Maschinerie zu ändern war vier Stunden vor der Premiere nicht mehr möglich. "Das Pferd kommt oder das Stück wird nicht gespielt!" erklärte kategorisch Brecht. Er hatte inzwischen dem Pferd vier Räder anschlagen lassen und zog das Tier strahlend auf die Bühne. "Nein", sagte ich, "wir haben hier kein Kindertheater!" . . . Im Zuschauerraum rang die Weigel die Hände und jammerte: "Das Pferd, das Pferd! . . ."
"Dieses Theater habe ich zum letzten Mal betreten!" schrie Brecht. "Ich auch", sagten Weill und Neher. "Würden die Herren uns das schriftlich geben?" forderte Fischer sie auf.
Und da sie alle richtige Theaterleute waren, kamen sie pünktlich um halb acht Uhr zur Premiere, der reitende Bote der Königin kam zu Fuß und stellte sich auf ein kleines Rasenstück, das ein Statist für ihn ausbreitete . . .